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Kaffee macht Geschichte

Um den Kaffee ranken sich viele Legenden. Eine davon lautet: Ein Hirte aus der Region Kaffa, die im früheren Abessinien und heutigen Äthiopien liegt, beobachtete seine Ziegenherde. Ein Teil der Herde fraß rote Früchte, während der andere Teil daran keinen Gefallen fand. In der Nacht waren diese Ziegen, die die roten kirschähnlichen Früchte gegessen hatten, ungewöhnlich unruhig. Sie hüpften herum und wollten scheinbar nicht schlafen. Der Hirte stellte einen Zusammenhang her: Es musste an den roten Früchten liegen, deren Genuss seine Ziegen so munter machte.

Der Muntermacher

Am nächsten Morgen kochte er die roten Früchte in Wasser und trank selbst den zubereiteten Sud. Und siehe da: Auch er wurde ungewöhnlich wach und konnte in der Nacht kaum schlafen. Die belebende Wirkung des Kaffees war somit kein Geheimnis mehr! Und aus dem Namen der Provinz Kaffa leitete sich später das Wort Kaffee ab.

Türken, die großen Genießer

Schnell fand man heraus, dass der Kaffeeaufguss besser schmeckte, wenn man die Bohnen vorher über dem Feuer röstete. So wurde aus dem belebenden Heilmittel ein genussvolles Getränk. Das sprach sich herum: Von dem Ursprungsland Äthiopien fand der Kaffee im 14. Jahrhundert seinen Weg nach Arabien, wo die vielen Reisenden den köstlichen Trank später im ganzen arabischen Raum verbreiteten. Vor allem die Türken waren große Kaffeeliebhaber, weshalb der Kaffee noch lange Zeit unter dem Namen "Türkentrank" die Runde machte.

Auf dem Weg nach Europa

Im arabischen Raum erfreute sich der Kaffee großer Beliebtheit. Ob er – aus religiösen Gründen - hauptsächlich als Medizin oder schon als Genussmittel verwendet wurde, ist nicht bekannt. Tatsache ist jedoch, dass der Kaffee ab Mitte des 15. Jahrhunderts auch im arabischen Raum angebaut wurde. Eine Überlieferung besagt, dass ein Scheich mit dem Namen Gemaleddin die Pflanzen aus dem abessinischen Kaffa kommen ließ und sie im Jemen anbaute. Durch Reisende wurde der Kaffee dann im ganzen Land verbreitet, und es entstanden Kaffeehäuser beispielsweise in Damaskus und Konstantinopel (1554).

Von dort aus war es nur ein kleiner Schritt nach Europa. Man sagt, dass holländische Handelsreisende den Kaffee Ende des 16. Jahrhunderts in die europäischen Hafenstädte wie Venedig, Bremen, Amsterdam brachten. Die Europäer waren sofort begeistert, und schnell bildete sich die Tradition der europäischen Kaffeehäuser heraus. Das erste Kaffeehaus eröffnete 1645 in Venedig, Deutschland zog erst im Jahre 1673 nach – mit einem Kaffeehaus in Bremen.

Zu dieser Zeit war Kaffee noch ein Luxusgut, das sich nur wenige reiche Bürger leisten konnte. Er wurde – wie eigentlich heute noch - mit Milch, Zucker und Gewürzen verfeinert, um den bitteren Geschmack abzuschwächen. Mit der Zeit und den sich verbessernden Transportbedingungen, konnte der Kaffee immer günstiger importiert werden, so dass sich auch weniger reiche Genießer dieses einstmalige Luxusgetränk erlauben konnten. Die Kaffeepreise fielen zwar, wurden aber schnell wieder angezogen. Denn die europäischen Länder wollten sich am Kaffeeboom bereichern und verlangten für die schwarzen Bohnen teilweise irrsinnig hohe Einfuhrzölle.

Kaffee erobert die Welt

Die Araber hüteten das Geheimnis rund um Anbau und Kaffeesorten wie einen Augapfel. Es dauerte daher bis Ende des 16. Jahrhunderts, bis es den Niederländern und Spaniern endlich gelang, die Anbaumethoden der Araber nachzuahmen und die begehrten Kaffeepflanzen in Händen zu halten. Jetzt hatten die Europäer die Möglichkeit, in ihren Kolonien auf eigenen Plantagen den Kaffee weitläufig anzupflanzen. Damit stand ihnen Kaffee in großen Mengen zur Verfügung.

Doch natürlich stellten sich die Kolonialherren nicht selbst auf ihre Ländereien, um die Arbeit zu erledigen. Sie holten vielmehr Sklaven auf ihre Plantagen, die dort unter äußerst schlechten Bedingungen arbeiteten und lebten. Der Einsatz von billigen Arbeitskräften und der Anbau eines Luxusgetränkes wurden für die europäischen Länder zu einem lohnenden Geschäft. Der Gewinn steigerte sich nochmals, als auch die Nordamerikaner Geschmack am Kaffee fanden.

Die Holländer breiteten die Kaffeeanbaugebiete bis nach Südamerika aus, die anderen Kolonialmächte wie Spanien und Portugal folgten sogleich. In Windeseile etablierte sich Brasilien als bedeutendstes Anbauland in Südamerika, heute ist es sogar die Nummer 1 aller Kaffeeanbaunationen. Auch die Engländer trugen zur Verbreitung des Kaffees bei und bauten ihn auf Jamaica an. Gemeinsam mit der Verbreitung des christlichen Glaubens fand der Kaffee seinen Weg durch spanische Jesuiten bis zu den Philippinen und nach Mexiko.

Kaffee in Deutschland

Umso mehr Menschen Kaffee tranken, umso stärker stieg die Nachfrage. Kaffee wurde damit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Im Jahre 1781 griff daher Friedrich der Große ein: Seine Untertanen sollten lieber das heimische Bier trinken und damit die eigene Brauwirtschaft unterstützen als ihr Geld in Kaffee aus fernen Ländern zu stecken. Er erließ daher ein staatliches Kaffeemonopol und erlaubte lediglich dem preußischen Staat, mit Kaffee zu handeln. Das Rösten durch Privatbetriebe verbot er ebenfalls kurze Zeit später. Das sicherte ihm eine riesengroße Einnahmequelle, mit der er seine vom Siebenjährigen Krieg marode Staatskasse wieder aufzubessern hoffte.

Doch Friedrich der Große rechnete nicht damit, dass sich seine Untertanen bereits an die belebende Wirkung des Kaffees gewöhnt hatten. Denn im Gegensatz zu Bier, das - den ganzen Tag über getrunken - sehr ermüdet, ist Kaffee der absolute Muntermacher. Ideal auch für das einfache Volk, das von früh bis nachts arbeiten musste. Somit entstand ein lebhafter Kaffee-Schmuggel. Friedrich der Große gab schließlich auf und schaffte das Verbot wieder ab. Von nun an konnte sich der Handel weiter verbreiten. Und von der Dienstmagd bis zum König trank ein jeder Kaffee – zuhause oder in einem der vielen Kaffeehäuser, die sich ab dem 17. Jahrhundert immer größerer Beliebtheit erfreuten.

Weltweit hat sich Kaffee zum zweitbedeutendsten Handelsgut und zum Volksgetränk entwickelt. In Deutschland wurden im Jahr 2010 rund 150 Liter Kaffee pro Kopf getrunken, rund 500.000 Tonnen Rohkaffee wurden verarbeitet. Deutschland ist damit der drittgrößte Kaffeemarkt der Welt! Und Kaffee ist damit das Getränk, das in Deutschland am häufigsten getrunken wird. Aber auch der Rest der Welt hält sich beim Kaffeetrinken nicht zurück: Weltweit werden täglich eine Milliarde Tassen mit Kaffee gefüllt!

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